Thüringer Allgemeine vom 10.03.2005:

Arnstadt: Alles nicht nur Banane
Wie sich der Marktplatz Europa in eine schnöde Bananenkiste verpacken lässt, belegt die nunmehr 16. Sonderausstellung in der Arnstädter Kunsthalle, die morgen eröffnet wird.
Es ist dies eine amüsante wie nachdenkliche Vereinigung von 57 künstlerischen Statements aus 18 Ländern. Und, es war ganz zufällig, dass dieser nur so neugierig machende Blick über den nationalen Tellerrand nach dem Potsdamer "Atelierhaus Panzerhalle" nun auf die gut 800 Quadratmeter der einstigen Fabrikhalle umziehen konnte. Die gemeinsame Ausstellung von Lothar Seruset und Johannes Heisig regte die Thüringer Station des so vielfältigen Projekts "Blue Hall" für Arnstadt an.
Zuvor freilich waren die Akteure aus 140 Bewerbern juriert worden. Auszupacken waren Malereien, Skulpturen, Objekte, Fotografien und Videos. Wobei die agilen Organisatoren die Banane als sinnfällige Metapher dafür wählten, dass "das alte Europa noch immer ein koloniales Verhältnis zur übrigen Welt" hat (wie es im Katalog heißt).
Das ebenso kurzweilige wie anspruchsvolle Konzept geht für den auf, der hinter den mitunter skurrilen Konfigurationen auch den subversiven Akt genießt. Deshalb wird nur so mit individuellen Wahrnehmungen und Assoziationen gespielt. Etwa wenn Katarina Schmidl (Österreich) hintergründig ein wahrlich sehr "Schönes Stück" mit rotweißgestreiften Strohhalmen entblößt, Charmian Pollok (Großbritannien) seine üppige "Flora Europae Minora" auf handgeschöpftem Papier im normierten Pappformat unterbrachte oder Daniele Pario Perra (Italien) einlädt, das "God Bless America" interaktiv per Fuß in Faschingströten zu intonieren. Aber: Es geht auch schockierend drastisch zu, wenn Rochus Lussi (Schweiz) den Karton mal eben mit Herzen als standardisierenden Konsumartikeln füllt oder Bénédicte van Caloen (Belgien) ihre Geschöpfe aus der Kiste erweckt.
Verlust und Gewinn, Mobilität und Migration, Freiheit und Abhängigkeit - das sind nur einige Stichworte dieses Kunstprojektes, in dem sich gar viele Identitäten motivreich im kritischen Austausch wiederspiegeln.
Geöffnet bis 22. Mai, Eröffnung: 12. März, 19.30 Uhr.
Von Wolfgang LEISSLING